Der Prüfungstag bei der IHK ist für viele Kandidaten ein Moment der Ungewissheit – nicht wegen mangelnden Wissens, sondern weil sie schlicht nicht wissen, was auf sie zukommt. Wo muss ich hin? Was muss ich mitbringen? Wie läuft die Prüfung genau ab? Was passiert, wenn ich knapp scheitere?
Dieser Artikel beantwortet all diese Fragen, damit du am Prüfungstag keine bösen Überraschungen erlebst – und dich voll auf das konzentrieren kannst, was zählt: die Inhalte.
Wenn du noch mit dem Lernen beschäftigt bist, lies unseren Artikel zu den §34a Prüfungsthemen und ihrer Gewichtung sowie unsere Lernstrategie für die §34a Prüfung.
Schritt 1: Die Anmeldung zur Prüfung
Bevor du überhaupt zum Prüfungstag kommst, musst du dich bei der zuständigen IHK anmelden. Die Zuständigkeit richtet sich nach deinem Wohnort oder dem Ort deiner Beschäftigung – nicht nach deiner Präferenz.
Wo findest du deine zuständige IHK?
Auf der Website der DIHK (dihk.de) gibt es eine Suchfunktion, mit der du anhand deiner Postleitzahl die zuständige IHK findest. Jede IHK hat eigene Prüfungstermine, die meist mehrmals im Jahr stattfinden – in größeren IHK-Bezirken monatlich, in kleineren IHKs vierteljährlich.
Wie läuft die Anmeldung ab?
- Online-Registrierung: Die meisten IHKs bieten die Anmeldung über ihr Portal an. Du erstellst ein Konto und meldest dich für die gewünschte Prüfung an.
- Unterlagen hochladen: In der Regel musst du einen Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass) und bei manchen IHKs den Nachweis über die 40-Stunden-Unterrichtung einreichen.
- Gebühr bezahlen: Nach der Anmeldung erhältst du eine Zahlungsaufforderung. Die Prüfungsgebühr beträgt typischerweise 130–160 €.
- Anmeldebestätigung erhalten: Nach Zahlungseingang erhältst du eine schriftliche Bestätigung mit Prüfungstermin, Uhrzeit und Ort.
Wie früh muss ich mich anmelden?
Das variiert stark. Manche IHKs haben Anmeldefristen von 4–6 Wochen vor der Prüfung, andere akzeptieren auch kurzfristigere Anmeldungen. Prüfe die konkreten Fristen auf der Website deiner IHK.
Empfehlung: Melde dich so früh wie möglich an – nicht nur, um deinen Platz zu sichern, sondern auch um psychologischen Druck zu erzeugen. Ein fester Prüfungstermin motiviert beim Lernen deutlich stärker als ein vager Plan.
Was passiert bei Krankmeldung oder No-Show?
Wenn du aus wichtigem Grund (z.B. Krankheit mit Attest) nicht erscheinen kannst und dich rechtzeitig abmeldest, erstatten viele IHKs die Gebühr ganz oder teilweise. Wer einfach nicht erscheint, verliert die Gebühr in der Regel vollständig. Informiere dich über die Stornierungsregeln deiner IHK im Voraus.
Schritt 2: Was du am Prüfungstag mitbringen musst
Pflichtmitnahmen
- Gültiger Lichtbildausweis: Personalausweis oder Reisepass (kein Führerschein!). Ohne gültigen Ausweis wirst du zur Prüfung nicht zugelassen.
- Anmeldebestätigung / Prüfungsladung: Das Schreiben der IHK, das dir Termin und Ort bestätigt. Einige IHKs verlangen den Ausdruck, andere akzeptieren die digitale Version auf dem Smartphone.
- Stift(e): Klassisch schwarzer oder blauer Kugelschreiber. Füller sind erlaubt, sofern die Tinte ausreichend lesbar ist. Bring immer eine Reserve mit.
Was du NICHT mitbringen darfst
Die §34a Sachkundeprüfung ist eine geschlossene Prüfung – es sind keine Hilfsmittel erlaubt. Das bedeutet konkret:
- Keine Gesetzestexte (kein BGB, kein StGB, keine GewO)
- Keine Notizen, keine Spickzettel
- Kein Smartphone oder Tablet (das Gerät muss ausgeschaltet oder auf lautlos und weggelegt sein)
- Keine Wörterbücher
Elektronische Geräte, die während der Prüfung sichtbar sind oder benutzt werden, führen zum sofortigen Prüfungsausschluss.
Was erlaubt ist: Ein stilles Getränk und kleine Snacks sind in der Regel unproblematisch, solange du andere Kandidaten nicht störst. Frag im Zweifel vorab bei deiner IHK nach.
Schritt 3: Der schriftliche Prüfungsteil
Zeitrahmen und Ablauf
Die schriftliche Prüfung dauert 120 Minuten (2 Stunden). In dieser Zeit bearbeitest du 72 Multiple-Choice-Fragen aus 7 Rechtsgebieten.
Ablauf vor Beginn:
- Einlass ins Prüfungszimmer (meist 15–30 Minuten vor Prüfungsbeginn)
- Ausweis- und Anmeldungscheck durch die Aufsicht
- Platzzuweisung
- Ausgabe der Prüfungsunterlagen
Die Aufsichtsperson erklärt die Prüfungsmodalitäten kurz. Höre aufmerksam zu – hier werden oft wichtige Hinweise gegeben (z.B. ob Fragen mit mehreren richtigen Antworten vorkommen und wie sie bewertet werden).
Die Fragen: Format und Typ
Alle Fragen sind im Multiple-Choice-Format. Es gibt meist vier Antwortmöglichkeiten (A, B, C, D). Je nach Fragentyp ist eine oder mehrere Antworten korrekt.
Wichtig: Wenn eine Frage mehrere richtige Antworten hat und du nur eine ankreuzt, bekommst du keine volle Punktzahl. Lies die Fragestellung genau: “Welche Aussage ist richtig?” (eine) vs. “Welche Aussagen sind richtig?” (mehrere).
Strategien für die Bearbeitung:
- Lies die gesamte Frage und alle Antwortoptionen, bevor du ankreuzt
- Bei Unsicherheit: Schreibe dir die Fragennummer auf und komm am Ende zurück
- Deine erste Intuition ist oft richtig – ändere Antworten nur, wenn du einen konkreten Grund hast
Zeitmanagement
72 Fragen in 120 Minuten = durchschnittlich 1 Minute und 40 Sekunden pro Frage. Das ist komfortabel – aber nur, wenn du keine Zeit mit langen Grübeleien verlierst.
Empfohlene Strategie:
- Erste Runde: Alle Fragen beantworten, bei denen du dir sicher bist (Ziel: zwei Drittel der Fragen in der ersten Hälfte der Zeit)
- Zweite Runde: Markierte Fragen noch einmal prüfen und entscheiden
- Dritte Runde (falls Zeit bleibt): Alle Antworten nochmals überfliegen
Verlasse die Prüfung nie vorzeitig, ohne alle Fragen beantwortet zu haben. Selbst geraten ist besser als eine leere Antwort.
Schritt 4: Die Bestehensregeln
Dieser Punkt wird häufig missverstanden und führt zu bösen Überraschungen.
Gesamtdurchschnitt
Du musst im Gesamtdurchschnitt mindestens 50 % der Gesamtpunkte erreichen.
Mindestanforderung pro Rechtsgebiet
Zusätzlich musst du in jedem der 7 Rechtsgebiete einzeln mindestens 50 % erreichen.
Das bedeutet: Wer Strafrecht mit 20 % bearbeitet, fällt durch – auch wenn alle anderen Gebiete auf 90 % sind. Es gibt kein gegenseitiges Ausgleichen zwischen den Bereichen.
Konsequenz für das Lernen: Vernachlässige kein Rechtsgebiet komplett. Selbst das als “einfach” geltende Gebiet Unfallverhütung/Brandschutz erfordert mindestens ausreichende Vorbereitung.
Die Grauzone: 46–49 %
Wer zwischen 46 und 49 % im Gesamtergebnis erreicht, kommt nicht automatisch in die mündliche Prüfung – das ist ein häufiger Irrtum. Tatsächlich entscheidet die IHK nach eigenem Ermessen, ob bei Grenzfällen eine mündliche Ergänzungsprüfung angeboten wird.
In der Praxis bieten viele IHKs bei Grenzfallsituationen die mündliche Prüfung aktiv an. Einige IHKs haben auch höhere Grenzwerte in ihrer Prüfungsordnung definiert. Lies die Prüfungsordnung deiner konkreten IHK, um die genauen Regeln zu kennen.
Schritt 5: Die mündliche Prüfung
Die mündliche Prüfung ist keine Standardkomponente, sondern ein Ergänzungsinstrument für Grenzfälle. Sie kann angeboten werden, wenn ein Kandidat in der schriftlichen Prüfung knapp gescheitert ist.
Wer bekommt eine mündliche Prüfung?
Grundsätzlich: Wer in der Nähe der Bestehensgrenze liegt, aber sie nicht erreicht hat. Die genauen Regeln variieren je nach IHK-Prüfungsordnung.
Wie läuft die mündliche Prüfung ab?
- Dauer: 15 bis 30 Minuten
- Prüfungsausschuss: 2 bis 3 Personen (in der Regel ein Hauptprüfer und ein Beisitzer)
- Format: Gesprächsform, oft auf Basis von Fallszenarien
- Themen: Alle 7 Rechtsgebiete können abgefragt werden, mit Fokus auf die Bereiche, in denen du schwach warst
Was wird mündlich geprüft?
Anders als schriftlich geht es in der mündlichen Prüfung nicht um reine Faktenwiedergabe. Die Prüfer wollen sehen, ob du:
- Rechtliche Konzepte verstanden hast (nicht nur auswendig gelernt)
- Einen Sachverhalt juristisch einordnen kannst
- Angemessen und verhältnismäßig reagieren würdest
Typische Fragen im mündlichen Teil:
- “Sie sind als Wachmann im Einsatz und beobachten folgende Situation: [Szenario]. Was tun Sie – und warum?”
- “Nennen Sie die Voraussetzungen der Notwehr nach §32 StGB.”
- “Wann dürfen Sie eine Person festhalten?”
Tipps für die mündliche Prüfung
- Spreche klar und strukturiert. Beginne Antworten mit dem Kern, dann die Begründung.
- Wenn du unsicher bist, denke laut. Prüfer bewerten auch den Denkprozess.
- Zeige, dass du weißt, wo die Grenzen deiner Befugnisse liegen – das ist für Prüfer besonders wichtig.
- Sage lieber “Das kenne ich nicht ausreichend” als eine falsche Antwort zu erfinden.
Schritt 6: Nach der Prüfung – Ergebnis und weitere Schritte
Wann erfährst du das Ergebnis?
Die meisten IHKs teilen das Ergebnis innerhalb von 1–4 Wochen schriftlich mit. Bei einigen IHKs wird das Ergebnis auch digital im Kandidatenportal hinterlegt. Frag bei deiner IHK nach, wie und wann du informiert wirst.
Was bekommst du bei Bestehen?
Du erhältst ein Zeugnis über die Sachkundeprüfung nach §34a GewO von der IHK. Dieses Zeugnis ist bundesweit gültig und unbefristet. Du musst die Prüfung nicht wiederholen, wenn du den Arbeitgeber oder das Bundesland wechselst.
Was passiert bei Nicht-Bestehen?
Du kannst die Prüfung wiederholen. Die Wartezeit beträgt je nach IHK in der Regel 4–8 Wochen. Nutze diese Zeit gezielt: Analysiere, in welchen Bereichen du zu wenig Punkte geholt hast, und arbeite spezifisch an diesen Schwächen.
Lies dazu unseren Artikel über die häufigsten Fehler und die §34a Durchfallquote – dort findest du einen detaillierten Aufholplan.
Prüfungseinsicht
Du hast das Recht, deine bewertete Prüfung einzusehen. Diese Möglichkeit nutzen leider wenige Kandidaten. Die Prüfungseinsicht zeigt dir genau, welche Fragen du falsch beantwortet hast – das ist Gold für die Vorbereitung auf einen zweiten Versuch.
Beantrage die Einsicht innerhalb der von deiner IHK gesetzten Frist (meist 4–6 Wochen nach Ergebnismitteilung).
Häufige Fehler am Prüfungstag
Zu spät ankommen. Plane deutlich mehr Zeit ein als nötig. Verspätete Kandidaten werden in der Regel nicht mehr eingelassen. Plane Puffer für Verkehr, Parkplatzsuche und die Orientierung im Gebäude ein.
Falschen Ausweis mitbringen. Führerschein gilt bei den meisten IHKs nicht als gültiger Lichtbildausweis. Personalausweis oder Reisepass einpacken.
Zu früh aufgeben. Nutze die volle Prüfungszeit von 120 Minuten. Fragen, die zunächst schwer erscheinen, können durch spätere Fragen im Test das Gedächtnis aktivieren.
Felder leer lassen. Auch wenn du dir nicht sicher bist: Trage immer eine Antwort ein. Es gibt keinen Punktabzug für falsche Antworten. Raten ist statistisch besser als Leerlassen.
Nacht vorher intensiv lernen. Wer kurz vor der Prüfung noch auf Hochtouren lernt, geht übermüdet in die Prüfung. Am Abend vorher: kurze Wiederholung der Kerndefinitionen, dann früh schlafen.
Checkliste: Prüfungstag
Hier noch einmal alles kompakt für den Tag X:
Abend vorher:
- Prüfungsort und Anfahrt überprüfen – plane Puffer für Verkehr und Parkplatzsuche ein
- Ausweis und Anmeldebestätigung bereitlegen
- Stifte und Reserve bereitlegen
- Frühzeitig schlafen gehen
Am Prüfungsmorgen:
- Frühstücken – kein leerer Magen
- Ausweis und Bestätigung einstecken
- Mindestens 20 Minuten vor Einlass am Prüfungsort sein
Im Prüfungsraum:
- Smartphone ausschalten oder auf lautlos stellen und in die Tasche
- Anweisung der Aufsichtsperson vollständig anhören
- Alle 72 Fragen beantworten – keine leeren Felder
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Häufige Fragen
Wie oft im Jahr findet die §34a Prüfung statt? Das hängt von deiner zuständigen IHK ab. Große IHKs wie München, Berlin oder Frankfurt bieten die Prüfung monatlich an. Kleinere IHKs haben sie oft nur quartalsweise. Prüfe die Termine direkt auf der Website deiner IHK.
Kann ich die Prüfung bei einer anderen IHK ablegen, wenn meine IHK keinen nahen Termin hat? Grundsätzlich bist du an deine zuständige IHK gebunden. In begründeten Ausnahmefällen (z.B. sehr lange Wartezeiten) ist ein Wechsel möglich, erfordert aber die Zustimmung beider IHKs. Sprich das direkt mit deiner IHK an.
Darf ich die Prüfung in einer anderen Sprache als Deutsch ablegen? Nein. Die §34a Sachkundeprüfung wird ausschließlich auf Deutsch abgehalten. Ausreichende Deutschkenntnisse sind Voraussetzung – sowohl für die Prüfung als auch für die berufliche Praxis im Sicherheitsgewerbe.
Was passiert, wenn ich krank werde und nach dem Einlass nicht mehr weiterarbeiten kann? Melde dich sofort bei der Aufsichtsperson. Du wirst aus dem Prüfungsraum entlassen und die Prüfung gilt als nicht angetreten (nicht als nicht bestanden), wenn du ein ärztliches Attest vorlegst. Hole dir das Attest noch am selben Tag – spätere Atteste werden oft nicht akzeptiert.
Bekomme ich das Ergebnis direkt nach der Prüfung? Nein. Multiple-Choice-Prüfungen werden bei vielen IHKs zunächst automatisch ausgewertet, aber das offizielle Ergebnis wird in der Regel innerhalb von 1–4 Wochen schriftlich mitgeteilt. Manche IHKs zeigen eine vorläufige Auswertung im Online-Portal, aber das ist nicht überall Standard.
Muss ich die mündliche Prüfung am selben Tag ablegen? Nein. Die mündliche Ergänzungsprüfung findet nicht am selben Tag statt. Du wirst gesondert eingeladen – in der Regel einige Wochen nach der schriftlichen Prüfung. Du hast also Zeit, dich vorzubereiten.