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Wer braucht die §34a Sachkundeprüfung? Die vollständige Übersicht 2025

Wer braucht die §34a Sachkundeprüfung? Die vollständige Übersicht 2025

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“Brauche ich für meinen Job wirklich die Sachkundeprüfung?” Diese Frage höre ich regelmäßig – und die Antwort ist nicht immer einfach. Das deutsche Sicherheitsgewerbe unterscheidet nämlich zwischen zwei Qualifikationsstufen, die oft durcheinandergeworfen werden.

Ich erkläre dir, was der Unterschied ist, wer was braucht – und was passiert, wenn jemand ohne die nötige Qualifikation arbeitet.

Zwei Qualifikationsstufen im Überblick

Das Sicherheitsgewerbe in Deutschland kennt zwei grundlegende Einstiegsqualifikationen:

1. Unterrichtung nach § 34a GewO

2. Sachkundeprüfung nach § 34a GewO

Das entscheidende Wort ist “bestimmte Tätigkeiten”. Die Unterrichtung reicht für viele Jobs im Sicherheitsbereich – aber eben nicht für alle.

Diese Tätigkeiten erfordern die Sachkundeprüfung

Der Gesetzgeber hat in § 34a GewO i.V.m. der BewachVO klar festgelegt, für welche Tätigkeiten die Sachkundeprüfung Pflicht ist:

Türsteher / Einlasskontrolle

Wer an öffentlich zugänglichen Veranstaltungen die Einlasskontrolle übernimmt, braucht die Sachkundeprüfung. Das gilt für Diskotheken, Clubs, Konzerte, Sportveranstaltungen und alle vergleichbaren Orte, zu denen die Öffentlichkeit Zugang hat.

Häufige Irrtümer: Viele glauben, das gilt nur für große Veranstaltungen. Das stimmt nicht. Auch ein kleiner Club mit 50 Personen Kapazität fällt darunter, solange er öffentlich zugänglich ist.

Bewachung von Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften

Seit einem Skandal um Gewalt in der Bewachung von Geflüchtetenunterkünften gilt hier verschärfte Qualifikationspflicht. Die Sachkundeprüfung ist Voraussetzung – ohne Ausnahme.

Citystreife / Kommunaler Ordnungsdienst

Privatunternehmen, die im Auftrag von Kommunen Ordnungsaufgaben im öffentlichen Raum wahrnehmen, benötigen Mitarbeiter mit Sachkundeprüfung. Das gilt für das Ausstellen von Knöllchen, Parkraumüberwachung im kommunalen Auftrag und ähnliche Tätigkeiten.

Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum

Wer öffentliche Verkehrsmittel oder Bahnhöfe bewacht, ist im öffentlichen Verkehrsraum tätig und braucht die Sachkundeprüfung.

Leitungspositionen im Bewachungsgewerbe

Wer ein Bewachungsunternehmen leitet oder leitende Funktionen übernimmt (Einsatzleiter, Dienststellenleiter, Niederlassungsleiter), muss die Sachkundeprüfung nachweisen können. Das gilt auch für Selbstständige.

Kritische Infrastruktur (seit Reform 2021)

Seit der BewachVO-Reform 2021 wurde die Sachkundepflicht auf Tätigkeiten in bestimmten kritischen Infrastrukturbereichen ausgeweitet.

Für diese Tätigkeiten reicht die Unterrichtung

Für viele klassische Tätigkeiten im Sicherheitsgewerbe ist die 40-stündige Unterrichtung ausreichend:

TätigkeitQualifikation
Einfacher ObjektschutzUnterrichtung
Werkschutz / BetriebsbewachungUnterrichtung
Bewachung privater FlächenUnterrichtung
PfortendienstUnterrichtung
Geld- und Werttransport*Unterrichtung + zusätzliche Anforderungen
Personenschutz*Unterrichtung + ggf. Sachkunde

*Zusätzliche spezifische Anforderungen können gelten.

Was passiert bei Verstößen?

Wer ohne die nötige Sachkundeprüfung in einem sachkundepflichtigen Bereich arbeitet – oder arbeiten lässt – begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Bußgeld kann mehrere Tausend Euro betragen. Im Wiederholungsfall oder bei besonders schwerwiegenden Fällen droht der Entzug der Gewerbeerlaubnis.

Für Unternehmer: Auch wenn ein Mitarbeiter ohne Sachkunde in einem pflichtigen Bereich eingesetzt wird, haftet der Arbeitgeber. Das “Ich wusste nicht, dass er keine Prüfung hat” ist keine Entschuldigung – die Kontrolle obliegt dem Unternehmen.

Sonderfall: Selbstständigkeit im Sicherheitsgewerbe

Wer ein Bewachungsunternehmen gründen will, muss beim Gewerbeamt und bei der IHK die Zulassung nach § 34a GewO beantragen. Dafür ist die Sachkundeprüfung in fast allen Fällen Voraussetzung.

Die Anforderungen:

Kurz: Wer selbstständig Bewachungsdienstleistungen anbieten will, kommt um die §34a-Prüfung nicht herum.

Karriere im Sicherheitsgewerbe: Lohnt sich die Prüfung auch ohne Pflicht?

Ja – und das aus mehreren Gründen:

Gehaltsunterschied: Sachkundegeprüfte Mitarbeiter verdienen in der Regel mehr als unterrichtetes Personal. In Tarifverträgen des Bewachungsgewerbes gibt es eigene Lohngruppen für Sachkundeinhaber.

Aufstiegschancen: Leitungspositionen, attraktivere Einsatzbereiche und eigenverantwortliches Arbeiten setzen fast immer die Sachkundeprüfung voraus.

Marktchancen: Die Nachfrage nach qualifiziertem Sicherheitspersonal ist hoch – Sachkundeinhaber werden bevorzugt eingestellt.

Rechtssicherheit: Wer die Sachkunde hat, weiß, was er im Ernstfall darf – und was nicht. Das schützt auch persönlich vor strafrechtlichen Konsequenzen.

Fazit

Die Grenze zwischen “Unterrichtung reicht” und “Sachkundeprüfung Pflicht” ist klar gezogen – wenn man die Regelungen kennt. Für alle tätigkeitsbezogenen Grenzfälle empfiehlt es sich, die zuständige Gewerbebehörde oder die örtliche IHK zu befragen.

Und selbst dort, wo die Sachkundeprüfung nicht vorgeschrieben ist, lohnt sie sich: für Karriere, Gehalt und die eigene Sicherheit im Einsatz.

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Häufige Fragen

Braucht ein Ladendetektiv die §34a Sachkundeprüfung? Nein – in der Regel reicht die 40-stündige Unterrichtung. Ladendetektive führen keine der in § 34a GewO i.V.m. BewachVO spezifizierten Tätigkeiten aus, für die die Sachkundeprüfung Pflicht ist. Ausnahme: wenn der Detektiv gleichzeitig als Türsteher oder in einer Leitungsposition arbeitet.

Gilt die Sachkundepflicht auch für Selbstständige? Ja. Wer als Einzelunternehmer ein Bewachungsunternehmen führt oder sachkundepflichtige Tätigkeiten ausübt, benötigt genauso das IHK-Zeugnis wie angestelltes Personal.

Reicht die Sachkundeprüfung eines anderen EU-Landes? Nein. Die §34a Sachkundeprüfung ist eine nationale deutsche Qualifikation. Ausländische Nachweise können unter Umständen anerkannt werden, müssen aber bei der zuständigen Behörde beantragt werden – eine automatische Anerkennung gibt es nicht.

Was passiert, wenn jemand ohne Sachkunde sachkundepflichtige Tätigkeiten ausübt? Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden kann – sowohl für den Mitarbeiter als auch für den Arbeitgeber. Im Wiederholungsfall kann die Gewerbeerlaubnis entzogen werden.

Wie lange dauert die 40-stündige Unterrichtung? In der Regel wird sie als Blockkurs über 5 Tage (à 8 Stunden) oder verteilt über mehrere Abende und Wochenenden angeboten. Am Ende gibt es eine schriftliche Abschlussbestätigung, aber keine IHK-Prüfung.


Hinweis: Die Anforderungen können je nach Bundesland leicht variieren. Maßgeblich ist immer der aktuelle Stand der BewachVO und der Ausführungsbestimmungen des jeweiligen Bundeslandes.


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